Aus der
Winnender Zeitung
vom 13.05.2011:

 

Bundespreis für Davids Brief

Europäischer Wettbewerb zeichnet außerdem 64 Bilder von Winnender Schülern aus / Gestern Feierstunde im Rathaus

VON REGINA MUNDER

Winnenden.
Feierstunde im Rathaussaal, 65 Preisträger sind da, ihre Eltern und auch Schulleiter. David (13) wartet geduldig, er weiß nur, er kommt als Letzter dran. Lisa kann's kaum erwarten, bis sie von Bürgermeister Norbert Sailer nach vorn gerufen wird. Ihre Klassenkameraden haben schon Büchergutscheine und Ortspreisurkunden bekommen für ihre Bilder, die sie in der Schule gemalt und beim Europäischen Wettbewerb eingereicht haben.

Lisa Feinauer, die Viertklässlerin von der Grundschule Schelmenholz, braucht Geduld, hüpft zwischen Mutter und Klassenkameraden hin und her. Erst dürfen die "normalen" Landespreisträger ihre Glückwünsche in Empfang nehmen. Lisa aber hat es einen Tick weiter geschafft, war für einen Bundespreis nominiert. Deshalb bekommt sie einen Büchergutschein in Höhe von 20 Euro statt wie beim Landespreis üblich 15 Euro. Norbert Sailer fragt, als sie endlich vorne steht, was sie in ihrem Bild zum Thema "Mein Verein im Wettkampf" dargestellt habe. "Die blauen Schleifen an der Pferdemähne bedeuten, dass es um Dressur geht. Die Mädchen wünschen sich vor dem Wettkampf viel Glück", sagt Lisa. Sailer folgert, das sei faires Verhalten. Selbst 'wenn man gegeneinander kämpft, geht man respektvoll miteinander um, so ein Gedanke im Sinn eines friedlichen Europa. Strahlend kommt Lisa zurück an ihren Platz und nippt glücklich an einem Glas Orangensaft, während ihre Klassenkameraden ihre Urkunde bewundern.

David schildert unpathetisch Eindrücke von der Rehaklinik

"Den höchsten, einen Bundespreis gewonnen indes hat nur einer aus Winnenden: David Butsch vom Georg-Büchner-Gymnasium. Nicht mit einem Bild, sondern mit einem Text. Er ist 13 und hat die Aufgabe erhalten, Europäern in einem Brief für ihr freiwilliges Engagement zu danken. Den Brief las er gestern vor und erntete langen Applaus. Darin dankt er drei Europäern, einem jungen Briten, einer alten Italienerin und einem Franzosen, die sich in einem Hospiz in Kalkutta um sterbende Menschen kümmern. Über ihr ungewöhnliches Engagement und ihre harmonische Zusammenarbeit, obwohl sie doch unterschiedliche Sprachen sprechen, hat er in der Winnender Zeitung gelesen, und das hat ihn sehr beeindruckt. Seine sprachlich fein formulierte Bewunderung kommt so wahrhaftig und einfühlsam rüber, weil er zu Beginn des Briefes von dem schweren Unfall seines Bruders erzählt. Nach einem Schädel-Hirn-Trauma musste er in die Reha. Dort sei er, David, geschockt gewesen von den vielen verstümmelten Menschen, die "beinahe unmenschlich" aussahen. Dennoch merkte er, wie menschlich es in der Kurklinik zuging, dank der Ärzte und der jungen Patienten selbst, mit denen er bei Besuchen gern gespielt und geredet habe.

... (Artikel gekürzt/Tilp)

 

David Butsch hat mit seinem Dankesbrief an engagierte Europäer den Bundespreis im Europäischen Wettbewerb gewonnen und wurde wie 64 andere Kinder auch dafür geehrt. Von den Menscheii erfahren hat David in einem Artikel, den die Stadt an die Wand des Sitzungssaals projiziert hat.
Bild: Habermann

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