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Die letzten Runden der Debating Senior League ermöglichten uns, dem neu gegründeten Debating-Team des Georg Büchner-Gymnasiums, neben dem eigenen Fortschritt auch neue Bekanntschaften mit interessanten Menschen.
Das Wochenende um den 13. März war wohl ein denkbar schlecht gewählter Termin, weshalb wir freitagmorgens nur zu fünft (Xavier, Niklas, Anna, Daniel, Fr. Lehmann), in der Schule saßen, um noch einmal Argumente zu vervollständigen und Reden zu proben. So wanderten wir im Laufe des Vormittags also von einem Computerraum zum nächsten, opferten hochmotiviert unsere Pause und starteten besser vorbereitet denn je in das Debating-Abenteuer "Würzburg". Nach einem kurzen Zwischenstopp am Stuttgarter Hauptbahnhof, begaben wir uns mit anderen Teams in den, für unseren Geschmack viel zu vollen, Regionalzug Richtung Bayern. Schlafen, Essen, deutsch-und englischsprachige Bücher und auch unsere immer wieder um die bevorstehenden Aufgaben kreisenden Gedanken hielten uns bei Laune.
"Meine Damen und Herren, in wenigen Minuten erreichen wir den Würzburger Hauptbahnhof." Es wurde Zeit, neben den verschiedenen, je nach Person unterschiedlich großen, Gepäckstücken, auch die geschätzte Tonne an Papier, Stiften und Wörterbüchern zusammenzupacken. Würzburg. Was wir schon alles von dieser Stadt gehört hatten? Um ganz ehrlich zu sein: kaum etwas. Unter der Definition in Wikipedia kann man lesen, dass es eine kreisfreie Stadt im bayerischen Regierungs-bezirk Unterfranken ist. Vom Geschichteunterricht konnten sich manche noch vage daran erinnern, dass dort der Sitz einer der ältesten jüdischen Gemeinden ist. Aber viel mehr war uns nicht bekannt.
Mit der Straßenbahn bewegten wir uns durch die Straßen und Gassen der Innenstadt und sammelten erste Eindrücke bevor schließlich die Haltestelle der Jugendherberge erreicht war. Das fünfstöckige Gebäude steht am Fuße eines Berges, auf dem die beeindruckende Festung Marienberg thront. Die Einteilung der Zimmer, die man gemeinsam mit anderen Teilnehmern bewohnte, war schnell vollzogen und wir hatten Zeit, ein letztes Mal an der nicht mehr allzu fernen Debatte dieses Abends zu feilen.
Die Motion (Thema, über das debattiert wird): "TH (This house) has no confidence in the German federal government" war, verglichen mit den meisten der vorausgegangenen Themen der Vorrunden, relativ leicht zu bewältigen. Nach dieser hitzigen Debatte mit dem gegnerischen Team und unzähligen points of information (Einwand gegen das Gesagte) war es schließlich vollbracht. Und obwohl bei manchen Teammitgliedern das Herz irgendwo, aber nicht am Platz und die Zweifel am eigenen Auftritt groß waren, war es uns möglich, den ersten Sieg der Runde einzuheimsen. Die Freude war mehr als groß, war doch der größte Erfolg vorhergegangener Runden (1-4) eine sogenannte split decision (die Richter geben den Sieg nicht einheitlich an ein Team) für den Gegner. Und jetzt gleich eine einstimmige Entscheidung für uns. Das musste gefeiert werden! Und als wir nach einem Fußmarsch von geschätzten zwei Stunden endlich ein Restaurant fanden, dass nicht überfüllt war, konnte angestoßen werden.
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Nach einer Nacht, die wohl für jeden unterschiedlich lang ausgefallen sein musste (das nicht gerade gemeinsame Auftreten beim Frühstück sprach Bände!) ging's auch schon an die Verkündung des Themas der impromptu debate. Die Schwierigkeit bei dieser Art von Debatten liegt schlicht und einfach darin, dass man nur eine Stunde Zeit hat, um sie vorzubereiten und außer Wörterbüchern und einem Lexikon keine weiteren Hilfsmittel benutzen darf. Zu sagen, dass nicht alle mit der gestellten Motion zufrieden waren, ist wohl noch untertrieben. Denn sobald gefragt wurde, ob denn nun "Globalisierung, örtliche Kulturen zerstöre" ging ein unüberhörbares Stöhnen durch die Reihen. Auch Top Teams nicht ausgenommen. Und los ging's. Zeit zum Aufregen blieb nicht. Man hatte eine Debatte vorzubereiten und das innerhalb der nächsten 60 Minuten. Wie wir es schafften, insgesamt vier Argumente zu finden, die dagegen sprachen? Keine Ahnung, aber es hat funktioniert. Man kann sagen, dass man irgendwann nicht mehr ganz so viel darüber nachdenken muss, sondern mit jeder neuen Debatte lernt, ähnliche Argumenttypen zu verwenden.
So standen wir nicht viel später dem Team der Patch High-School Stuttgart gegenüber. Die Schüler sind alle amerikanische Staatsbürger, deren Eltern in Deutschland stationiert sind. Muttersprachler. Der "Gegner" wurde gemustert, aber wir waren uns nicht sicher, was wir von ihnen halten sollten. Zimmerbekanntschaften meinten zwar, dass sie nicht sonderlich gut wären, aber man kann nie wissen. Doch da sie weder besonders viel Erfahrung hatten noch richtig auf das Thema eingingen, sondern sich anstatt Globalisierung Kolonialisierung festfuhren, war auch diese Runde auf unser Konto gebucht.
Nach einem nachmittäglichen Workshop wurde die Zeit auch schon wieder genutzt, um an einer weiteren Debatte zu feilen. Die gestellte Frage, ob denn die deutsche Bundesregierung mit der Taliban verhandeln solle, mussten wir nicht nur aus Glaubens- und Gewissengründen ablehnen, sondern ganz einfach, weil es von uns verlangt wurde. Nach einer hitzigen Runde, mussten wir uns mit der einzigen Niederlage dieses Wochenendes zufrieden geben, schafften aber am letzten Tag auf die Frage, ob Importgüter mit "Essensmeilen" besteuert werden sollten, noch einmal erfolgreich zu erwidern: "This motion has to stand!" (dieser Antrag muss bestehen!).
Somit packten wir unsere Koffer mit drei von vier gewonnenen Debatten und fuhren nach dem Mittagessen ein letztes Mal durch Würzburg. Als wir dann letztlich mit dem wertvollen Gepäck in dem Regionalzug Richtung Zuhause saßen, war klar: der Ausflug war für uns alle ein tolles Erlebnis und die Kontakte mit manchen der anderen Teilnehmer halten bis heute via facebook. Ein großes Lob gebührt allen, die an der Ausrichtung beteiligt waren und am Wettbewerb teilgenommen haben, vor allem aber Frau Lehmann, die das Erlebnis "debating in Würzburg" erst möglich machte. Mit Platz 24 im ersten Jahr können wir durchaus zufrieden sein und wir alle sind uns sicher: nächstes Jahr sind wir wieder dabei, wenn es heißt:
"This motion has to stand/fall!"
Anna Frey
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