
Wie kommen zwei Jungendliche dazu, sich intensiv mit den Bestandteilen einer Babywindel zu beschäftigen? Ganz einfach, der Superabsorber ist ein Pulver, das sich in der Babywindel befindet. Und dieses Pulver wiederum war unser Forschungsgegenstand.
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Johannes Schlüter (li.) und Thomas Luckert haben ihre Leidenschaft für die Chemie entdeckt. Foto: Björn Hänssler |
Seit einigen Jahren hat es sich etabliert, dass ein Jahr einer Naturwissenschaft gewidmet wird. Das Jahr 2003 wurde wegen des 200. Geburtstages des berühmten Chemikers Justus von Liebig zum Jahr der Chemie ausgerufen. Über das ganze Jahr hinweg, wurden überwiegend von Universitäten Vorträge und Veranstaltungen organisiert, die sich einem Thema aus der Chemie widmeten. Ziel war es, die Bevölkerung mit chemischen Fragestellungen vertraut zu machen und für mehr Akzeptanz und besseres Verständnis zu werben.
Unser Ehrgeiz war geweckt; als wir vom Wettbewerb "Chemie prägt unser Leben" erfuhren. Der Schülerwettbewerb ist einer der vielen Veranstaltungen im Rahmen des Jahres der Chemie. Ziel des Wettbewerbs, der gemeinschaftlich von den Universitäten Stuttgart und Hohenheim sowie dem Institut Dr. Flad ausgerichtet wurde, war es, ein chemisch komplexes Thema aus dem Alltag für eine breite Öffentlichkeit zu präsentieren. Wir sollten einen Sachverhalt populärwissenschaftlich untersuchen und auch auf journalistisch anschauliche Art und Weise darstellen.
Immerhin hatten wir bei verschiedenen Wettbewerben teilgenommen und konnten auch Erfolge verbuchen. Daraus entstand die Faszination für Chemie und der Spaß an eigenen Experimenten. Vor zwei Jahren hatten wir uns im Rahmen eines Wettbewerbs bereits mit dem Superabsorber auseinandergesetzt. Das chemische Prinzip war so interessant, dass wir es beim Wettbewerb "Chemie prägt unser Leben" wieder aufgriffen. Damals hatten wir einen Preis gewonnen, warum sollte es nicht wieder klappen?
Was genau der Gewinn sein sollte, erfuhren wir erst kurz vor der Preisverleihung im November. Ein Jurymitglied schrieb uns einen Brief, dass wir einen Schnuppernachmittag bei den ,,Stuttgarter Nachrichten" gewonnen haben und unseren Beitrag über den Superabsorber in Form eines Berichts in der Zeitung veröffentlichen dürfen.
Wie sollten wir 20 Seiten Power-Point-Präsentation auf etwa 100 Zeilen bekommen? Schließlich war der Jury nicht nur der Inhalt, sondern auch die Präsentation des Themas wichtig. Doch genau das sollten wir während dieses Nachmittags lernen. Was genau ist also ein Superabsorber? Es handelt sich dabei um ein weißes Pulver, mit dem jeder schon einmal in Kontakt gekommen ist. Dem Absorber ist es zu verdanken dass eine moderne Babywindel so saugfähig ist. Aber auch aus vielen anderen alltäglichen Bereichen ist der Superabsorber heutzutage nicht mehr wegzudenken. Neben klassischen Anwendungen im Hygienebereich (Windeln, Damenbinden, Urinalkatheder) kommt der Superabsorber auch bei der Brandbekämpfung (als Gel in Feuerlöschern), im Gartenbau (als Wasserspeicher für Pflanzen), bei Kabelummantelungen (Isolierung) und in der Bautechnik (als Verdicker im Mörtel) zum Einsatz. In den letzten Jahrzehnten wuchs der Anwendungsbereich der Superabsorder beständig. Wir gehen davon aus, dass auch in Zukunft noch neue Anwendungsmöglichkeiten entdeckt werden.
Chemisch gesehen ist Superabsorber Natriumpolyacrylat. Diese chemische Verbindung hat die Eigenschaft, unter Zugabe von bestimmten Flüssigkeiten aufzuquellen. Dabei entsteht ein Gel, dass die Flüssigkeit auch unter großem Druck nicht freigibt. Das ist auch der Grund, weshalb moderne Windeln so saugfähig sind. Die Moleküle bilden Wasserstoffbrücken, welche die Wassermolekü1e fest an den Absorber binden. In eigenen Experimenten versuchten wir zu klären, welche Menge an Flüssigkeit der Absorber aufnehmen kann oder ob es Flüssigkeiten gibt, die sich gar nicht binden lassen.
Unsere Forschungsarbeit hat die Jury überzeugt. Am vergangenen Mittwoch erhielten wir im Balkonsaal des Schlosses Hohenheim unsere Urkunde. Prämiert wurden ein Preis für eine Einzelperson, drei Preise für Kleingruppen, drei Preise für größere Gruppen (Schulklassen) - jeweils auf zwei Altersklassen verteilt. Unter anderem gab es noch Preise wie einen Kosmos-Chemie-Kasten, ein einwöchiges Praktikum bei einer Pharmafirma, eine Betriebsbesichtigung bei BASF, Bücher oder eben unser Schnuppernachmittag bei den "Stuttgarter Nachrichten".
Johannes Schlüter, 16, und Thomas Luckert, 17, Georg-Büchner-Gymnasium Winnenden
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