Ein steckbrieflich Gesuchter als NamensgeberDer Vortrag von Dr. Hartmut Stirner bot viele Einblicke in das Leben Georg Büchners / Rund 100 Zuhörer in der Alten KelterVon Sabrina Lillich
Winnenden.
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Dr. Stirner (Mitte) hat sich in der Pause angeregt mit einigen Zuhörern unterhalten. Bild: Privat |
Georg Büchner wurde nur 23 Jahre alt: Er lebte von 1813 bis 1837 und beendete sein Studium der Biologie und Medizin mit dem Doktortitel. Und auch an anderen Lebensbereichen war er stets interessiert. Deshalb trägt das Gymnasium in Winnenden nicht umsonst seinen Namen: "Im Leitbild nämlich steht er als Namensgeber unserer Schule, Naturwissenschaftler, Philosoph, Schriftsteller und Sozialrevolutionär. Er soll für uns ein verpflichtender Ansporn sein, bei unserem lehrenden und lernenden Tun, die Welt erforschen, verstehen; gestalten und verändern zu wollen", so Dr. Hartmut Stirner.
Georg Büchner sticht im Leitbild besonders als Sozialrevolutionär hervor: Die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland um 1834 waren Grund für Büchner, etwas zur Veränderung beizutragen. Politische Freiheiten wie beispielsweise Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit gab es so gut wie gar nicht, und auf den Dörfern lebten die Arbeiter in großer Armut. Daraufhin gründete Büchner 1834 eine "Gesellschaft der Menschenrechte", die eine soziale Revolution anstrebte. Durch die Flugschrift "Der Hessische Landbote" wollte Büchner eine Gesellschaft ohne Klassenunterschiede schaffen. Diese Aktion scheiterte jedoch an einem Verrat, und Büchner war gezwungen, sich polizeilichen Überwachungen und. Verhören zu unterziehen. 1835 gelang ihm die Flucht nach Straßburg, Worauf er steckbrieflich gesucht wurde.
Unter den Besuchern in der Alten Kelter in Winnenden waren ehemalige und gegenwärtige Lehrer und Schüler, aber auch andere, die mehr über das Leben des Schriftstellers erfahren wollten. "In jedem Fall ist es eine gute Mischung", freute sich auch Adalbert Vogt, der Rektor der Schule, der den Abend eröffnete.
Stirner selbst überzeugte bei seinem langen Vortrag über knapp zwei Stunden mit ausführlichen Informationen über das Leben Büchners. Die ungeheure Dichte des Vortrags und sein hohes Niveau begeisterten das Publikum. Das Vorlesen von Textstellen und Briefen Büchners machten die Rede lebendig. Inhalt des Vortrags war unter anderem Büchners Schulzeit in Darmstadt, seine Studienzeit in Straßburg und Gießen, sein Aufenthalt im Exil, die Universitätslaufbahn in Zürich und sein Tod mit 23 Jahren. Auch mit Ausschnitten aus Büchners Werken bot Stirner den Gästen einen Einblick in das doch so kurze Leben des Schriftstellers: darunter das Drama "Dantons Tod", die Novelle "Lenz", das Lustspiel "Leonce und Lena" und das Drama "Woyzeck". Der ehemalige Deutschlehrer griff am Ende des Vortrags nochmals mit einer rhetorischen Frage an die Gäste auf den Anfang zurück: "Sagen Sie selbst, kann diese Schule nebenan einen uninteressanteren Namenspatron haben?"