Aus derVon Peter Schwarz
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Pressetermin gestern vor der mächtigen Kulisse der halbfertigen Brücke übers Zipfelbachtal: Landrat Johannes Fuchs spricht die frohe Botschaft ins Mikrofon - "um 10.58 Uhr hat sich für mich eine neue Zeitrechnung ergeben." Bild: Bernhardt |
Eigentlich war es ein Routine-Termin, ein Pressetreffen der üblichen Art - Landrat Johannes Fuchs hatte auf gestern Mittag um 12 Uhr Journalisten eingeladen, um mit ihnen die Baufortschritte an der neuen B14, Abschnitt 1, zu besichtigen; Treffpunkt an der monumentalen neuen Brücke, die zwischen Schwaikheim und dem Winnender Westen das Zipfelbachtal überspannt. Der Schnee knirschte unterm Schuh, die Sonne schien. Ein normaler, schöner Wintertag...
Doch dann ergriff Fuchs das Wort: "Um 10.58 Uhr hat sich für mich eine neue Zeitrechnung ergeben." Er saß im Büro, das Telefon klingelte, am anderen Ende der Leitung war der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Hermann Scheer. Fuchs dachte: "Was will der mir verkünden? Irgendein Öko-Projekt, das er auf den Weg bringen will?" Nicht ganz - Scheer informierte Fuchs: Der Bund stellt 61 Millionen Euro für den zweiten Bauabschnitt von der Anschluss-Stelle Winnenden Mitte bis Nellmersbach zur Verfügung, und zwar bereits in diesem Jahr. 61 Millionen, das heißt: Komplettfinanzierung. Keine Salamitaktik, keine scheibchenweise Besänftigungspolitik nach dem Motto: Baut nur erst mal, bis das Geld ausgeht, dann sehen wir weiter. Der ganze Batzen auf einen Schlag.
| Ausschreibung, Vergabe, Spatenstich: Im Herbst geht's los |
Jetzt wird das Projekt europaweit ausgeschrieben, im Sommer ist Vergabe, im Herbst kann's losgehen. Ansgar Dönges vom Baubüro Waiblingen veranschlagt für Abschnitt 2 etwa drei Jahre. Das hieße: Ende 2008, Anfang ~009 könnte es vollbracht sein.
Damit kommt ein Drive in die Elendsgeschichte B14 Neu, den viele Leute nicht mehr für möglich gehalten hatten nach Jahrzehnten fruchtloser Debatten, Verzögerungen und immer neuer Wenns und Abers. Selbst als der erste Bauabschnitt am 23. Juli 2001 begonnen worden war, bedeutete das nicht im Geringsten das Ende der Misere: Weil eine Baufirma Insolvenz anmelden musste, verschleppte sich der Baufortschritt um rund ein Jahr, Abschnitt 1 wird deshalb wohl erst im Sommer 2006 fertig. Noch herber die Hiobsbotschaft bei Bauabschnitt 2: Im März 2004 schien der erste Spatenstich schon greifbar nahe, die Ausschreibung lief, die Vergabe stand kurz bevor - da stellte der chronisch geldklamme Bund die Gelder-Ausschüttung fünf vor zwölf noch einmal zurück.
Und nun also die vielbejubelte Wende. Hier das Projekt noch einmal im Überblick:
Letztlich wird die B14 neu von Winnenden bis Backnang führen. Der südliche Teil reicht von Winnenden-Süd bis Nellmersbach; Gesamtlänge: 5,5 Kilometer; Gesamtkosten: 91 Millionen Euro. Diese Passage besteht aus zwei Bauabschnitten:
Und auch die soll so erträglich wie möglich gestaltet werden: Um zu verhindern, dass die Autofahrer Richtung Westen ausbüchsen und sich einen Schleichweg mitten durch Leutenbach suchen, greift der Landkreis zu "verkehrslenkenden Maßnahmen" und macht die Ortsdurchfahrt quasi planvoll unattraktiv: mit Tempo-30-Limit; und einer Pförtnerampel.
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Die B14 Neu von Winnenden-Süd bis Nellmersbach:
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Sachliche und enthusiastische Stimmen zur frohen B1 4-Botschaft
Die Pressemitteilung aus Berlin fiel betont nüchtern aus: Die SPD-Bundestagsabgeordneten Christian Lange (Wahlkreis Backnang/Gmünd) und Hermann Scheer (Wahlkreis Waiblingen) bestätigten in einem gemeinsam unterzeichneten Schreiben, "dass der Bund den Baubegim-i dieser Maßnahme für das Jahr 2005 fest einplanen wird".
Einen dezenten parteipolitischen Seitenhieb konnten sie sich zwar nicht verkneifen: Leider falle die Entscheidung "mit einer zweimonatigen Verspätung, weil die CDU! CSU-geführten Bundesländer" im Bundesrat "den Bundeshaushalt zunächst blockierten. Nachdem der Deutsche Bundestag vor wenigen Tagen" mit Kanzlermehrheit "die Rechtskraft des Bundeshaushalts 2005 durchgesetzt hat, gibt es jetzt grünes Licht."
Ansonsten aber klingt die Pressemitteilung auffällig untriuniphalistisch und unangeberisch: "Nun ist tätsächlich alles doch noch nach Plan gelaufen. Es kann ohne Verzögerung weitergebaut werden."
So sachlich die Berliner Töne, so enthusiastisch die Reaktion des Leutenbacher Bürgermeisters Jürgen Kiesl, der sich gestern ebenfalls in einer Pressemitteilung zu wahren Herzensergießungen inspiriert sah: ein "Freudentag für Leutenbach"; "übergroße Freude"; "grenzenlose Erleichterung"; "ein ganzer Steinbruch vom Herzen gefallen"; "einer der glücklichsten Tage in meinem Leben".
Auch Landrat Johannes Fuchs lief wieder einmal zu rhetorischer Hochform auf: Endlich würden Winnenden und Leutenbach von einer "Verkehrsgeißel" erlöst, dafür bedanke er sich "bei allen Abgeordneten, egal welcher Couleur", nun gebe es "wieder Optimismus und Hoffnung". Beim Versuch, die Bedeutung der B14 zu beschreiben, schwang sich Fuchs gar zu einem kühnen anatomischen Doppelvergleich auf: Dieser Verkehrsweg sei eine "ganz wichtige Ader" und eine "Achillesferse".
Gischtender Höhepunkt: Fuchs, sonst beileibe nicht als barocke Prassernatur bekannt, sah in der Nachricht aus Berlin einen Grund, die "Sektkorken knallen zu lassen".
"Mit einem lachenden und einem weinen-den Auge" nahm nur einer die Neuigkeit auf: Ansgar Dönges, der bisher als Leiter des Baubüros Waiblingen das Projekt betreute, freut sich - und ist traurig, weil er das Werk nicht mehr zu Ende bringen kann. Er macht Karriere und wechselt zum Bundesverkehrsministerium nach Bonn.
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